Unter dem Vorwand der Gefahr eines „Deutschen Oktobers“, also einer Oktoberrevol…

Unter dem Vorwand der Gefahr eines „Deutschen Oktobers“, also einer Oktoberrevolution im Deutschen Reich mit Unterstützung durch die Sowjetunion, welcher ein Sowjetdeutschland errichten sollte, wurden am 8. November 1923 die KPD sowie der KJVD verboten.

Nachdem die Polizei den Hamburger Aufstand im Oktober 1923 nach mehreren Tagen blutig niedergeschlagen hatte und die Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen im gleichen Monat gewaltsam durch die Reichswehr aufgelöst wurden, war der Kampf der Reaktion gegen KommunistInnen im Deutschen Reich noch lange nicht vorbei.
So nahm Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) den Putschversuch Hitlers am 8. November 1923 im Münchner Bürgerbräukeller zum Anlass dem Chef der Heeresleitung, General Hans von Seeckt, weitgehende diktatorische Rechte zu übertragen. Daraufhin wurde die KPD sowie der KJVD am 23.11.1923 verboten. Infolgedessen musste die KPD mehrere Monate lang, bis Ende Februar 1924, in der Illegalität weiterarbeiten. Es kam zu einer Schwächung der Partei. Wilhelm Pieck gab an, dass es bis zum 30.04.1925 insgesamt 981 Prozesse gegen 7 000 Kommunistinnen gab, von denen 5.768 verurteilt wurden.

Diese angebliche Gefahr einer Oktoberrevolution auf deutschem Boden, war jedoch offenkundig nicht existent. Die Gründe für das Verbot waren andere:
Einerseits ging es der SPD-Führung, welche federführend an diesem Verbot mitwirkten darum, die Stellung der KPD innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung zugunsten ihrer eigenen Stellung zu schwächen. Der KPD gelang es nämlich im Jahre 1923 die SPD zu „überholen“ und die stärkste Kraft innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung zu werden.
Dieses Ziel wurde erreicht: die KPD verlor die Hälfte ihrer Mitglieder, wenngleich sie bei den Reichstagswahlen 1924 immer noch 12,6% der Stimmen erhielt.

Die SPD verriet damit aber auch nicht das erste Mal die Arbeiterklasse. Schließlich stimmten die Abgeordneten im Deutschen Reichstag ja bereits 1914 und 1921 mit der Losung „das eigene Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich zu lassen“ für Krieg, Zerstörung und Elend in der deutschen Arbeiterklasse.

Andererseits war die Zerschlagung der KPD ein Akt, um dem aufkeimenden Faschismus im Deutschen Reich eine Atempause zu gewähren und ihn so am Leben zu halten.
Zwar wurde auch die NSDAP verboten, aber nichts gegen das faschistische Bayern, die „Ordnungszelle des Deutschen Reiches“ unternommen. Dort konnten die Faschisten weiter machen und Hitler bekam als Putschist gegen die deutsche Regierung, gerade einmal 5 Jahre „ehrenvolle“ Festungshaft (von denen er nur 9 Monate absitzen musste), da er, nach Ansicht der Richter, ja in „rein vaterländischem Geist“ und edelstem selbstlosen Willen“ handelte.

Zeitgleich wurde die Kraft, die zusammen mit der Arbeiterklasse am aktivsten gegen den Faschismus des Deutschen Reichs kämpfte (Beispiele dafür sind die Bildung von Arbeiterregierungen sowie proletarischer Hundertschaften zur Abwehr der faschistischen Gefahr in Sachsen und Thüringen), in die Illegalität getrieben und die Einheit der deutschen Arbeiterbewegung zersetzt.
Dies gipfelte Ende 1932 schlussendlich darin, dass Funktionäre der SPD in Preußen, welches damals als das „Bollwerk gegen den Faschismus“ galt, es nicht nur still schweigend hinnahmen, dass der preußische Landtag illegal entmachtet wurde, und einen Aufruf der KPD zum gemeinsamen Generalstreik gegen Hitler im Januar 1933 ignorierten, sondern auch explizit forderten, nicht an diesem Streik teilzunehmen

Foto: Title: „10 Jahre deutsche Republik. Friedrich Ebert, der erste Präsident der deutschen Republik“; Source: „wikicommons, Deutsches Bundesarchiv“