Heute vor 80 Jahren, am 8. Juni 1938, wurde die Münchner Hauptsynagoge im Stadtz...

Heute vor 80 Jahren, am 8. Juni 1938, wurde die Münchner Hauptsynagoge im Stadtz…

Heute vor 80 Jahren, am 8. Juni 1938, wurde die Münchner Hauptsynagoge im Stadtzentrum durch die Nazis abgerissen. Sie war die erste Synagoge die im faschistischen Deutschland zerstört wurde und an der die Machthaber probten wie weit man gehen kann. Nur wenige Monate später brannten im gesamten Deutschen Reich jüdische Gotteshäuser, Läden und Häuser. Der Abriss bildete letztlich den Auftakt für die ab 1938 einsetzende offene Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands, die bereits durch die Nürnberger Rassengesetze von 1935 und andere Maßnahmen von massiven Repressionen betroffen war.

Auch 80 Jahre später bleibt die Erinnerung an die Zerstörung eine Mahnung und muss daran erinnern wie Antisemitismus durch Reaktionäre oder die Herrschenden genutzt wurde um von Problemen abzulenken oder diese auf einen Sündenbock abzuwälzen. Während der Novemberpogrome 1938 äußerte sich die in der Illegalität arbeitende Kommunistische Partei in ihrem Flugblatt „Gegen die Schmach der Judenpogrome“ zur Funktion des Antisemitismus u.a. folgendermaßen:

„[…] Es sind nicht die Juden, die durch eine fortgesetzte Politik der Gewalt und der erpresserischen Drohungen gegenüber den anderen Ländern den Frieden gefährden und Deutschland in einen neuen Weltkrieg treiben. Es sind die Krupp, Thyssen, Mannesmann, Flick usw., die alten imperialistischen Verderber Deutschlands, die Kriegsgewinnler vom letzten Weltkrieg, die Inflationsgewinnler der Republik, die Rüstungsgewinnler von heute, in deren Auftrag Hitler bereit ist, das deutsche Volk wieder in einem Krieg hinzuopfern.

Immer in der Vergangenheit hat die Reaktion, wenn sie ein Volk aufs Schlimmste ausplünderte und die Erbitterung des Volkes fürchtete, sich der schmutzigen Mittel der Judenhetze und der Pogrome zum Zwecke der Ablenkung von den wahren Schuldigen bedient. […]“

Antisemitismus ist auch heute noch eine Gefahr und laut jüngsten Statistiken nimmt die Zahl an Übergriffen sogar zu.
Genau wie vor 80 Jahren gilt es dagegen zu halten. Wir stellen gleichzeitig jedoch erschreckend fest wie eine vermeintliche Gegnerschaft zum Antisemitismus für andere Zwecke instrumentalisiert wird.

So waren sich in den vergangenen Monaten von Alice Schwarzer über die CDU/CSU, den Grünen und dem neoliberalen Teil der Linkspartei alle einig das Antisemitismus ein Importprodukt ist das durch Geflüchtete in Deutschland Fuß fassen konnte. Sicher, es gibt Antisemiten unter Flüchtlingen, aber so zu tun als wäre der Antisemitismus in Deutschland neuerdings ein Fremdkörper und man würde schon seit Jahren hart dagegen vorgehen, wälzt nicht nur historische Verantwortung ab sondern instrumentalisiert den Kampf gegen Antisemitismus für Rassismus und Stimmungsmache gegenüber Geflüchteten und Migranten.

In den letzten Jahren wurde zudem der Vorwurf des Antisemitismus auf all jene ausgeweitet die auch nur in irgendeiner Form Kritik am israelischen Staat oder an dessen Politik äußerten, das spiegelte sich nicht nur in Raumverboten für Veranstaltungen wieder sondern auch im öffentlichen Diskurs.

Wirklich ekelig wird es hierbei wenn sich antisemitische Nationalisten und Faschisten durch Israelsolidarität einen Persilschein holen können. Hier sei an AfD-Politiker Gauland erinnert der eine Rede im Bundestag zur Staatsgründung Israels hielt die auch Beifall aus dem antideutschen Spektrum bekam. Eben jener Gauland der zuvor im Bezug auf die Wehrmacht forderte endlich stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten zu sein und der erst vor kurzem die NS-Zeit als „Vogelschiss“ in Betrachtung der gesamten deutschen Geschichte bezeichnete. Auch andere Teile seiner Partei machen es ihm nach. So gibt es im brandenburgischen Landtag seit neustem einen Freundeskreis zu Israel an dem sich die AfD auf Einladung durch die anderen Parteien anschließen möchte. Das es sich dabei um eine Partei handelt in der Leute wie Björn Höcke eine Umdeutung der deutschen Geschichte inklusive der Shoah vornehmen wollen, scheint dabei keinen zu stören.

Während es also Geschichtsrevisionisten wie Gauland, die Sympathien für die rechte israelische Regierung hegen, ermöglicht wird sich als Gegner von Antisemitismus zu inszenieren, werden Linke die gegen israelische Besatzungspolitik protestieren hingegen als Antisemiten diffamiert. Selbst linke israelische NGOs und Intelektuelle wie Moshe Zuckermann werden dabei von Behörden der BRD über Antisemitismus belehrt oder von deutschen Keyboard-Kriegern an den Pranger gestellt.

Noch abstruser wird es nur im Fall von Felix Klein: Dieser ist seit kurzem Antisemitismus-Beuaftragter der Bundesregierung und bekämpft aktiv die Bewegung »Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen« (BDS), ein breiter zivilgesellschaftlicher internationaler Zusammenschluss der es sich zum Ziel gemacht hat durch politischen wie ökonomischen Druck Israel zu einem Wandel in der Besatzungspolitik zu zwingen. Während Klein also gegen derartige Akteure unter dem Vorwand des Antisemitismus vorgeht, hat er gleichzeitig kein Problem damit sich in seiner Funktion am „Marsch des Lebens“ in Berlin zu beteiligen, einer Initiative evangelikaler Christen die fundamental antijüdische Ansichten pflegen.