Heute feiern wir den 135. Geburtstag des Revolutionärs Eugen LEVINÉ. Er spielte ...

Heute feiern wir den 135. Geburtstag des Revolutionärs Eugen LEVINÉ. Er spielte …

Heute feiern wir den 135. Geburtstag des Revolutionärs Eugen LEVINÉ. Er spielte 1919 eine entscheidende Rolle im Kampf um demokratische und soziale Befreiung im Freistaat und im Kampf um die Bayerische Räterepublik.

Über diese sprechen aktuell viele Politiker. Am 1. Mai erinnerte der IG-Metall-Vize auf dem Münchner Marienplatz an den Streik in der Rüstungsindustrie vor 100 Jahren und an die Münchner Räterepublik, am Freitag bezog sich dann sogar der Redner der FDP-Jugend auf die Tradition des roten Bayern. Nun im 100. Jahr der baierischen Revolution möchte sich jeder mit dem Erbe der Revolution schmücken und dabei teilweise auch vergessen machen, worum vor 100 Jahren gekämpft wurde. Nachdem die Monarchie gestürzt wurde, der Krieg beendet werden konnte, das Wahlrecht für alle, auch für Frauen, und der 8-Stunden-Tag erkämpft wurde, ging es nun um die Frage: Wie wollen wir leben? Wollen wir endlich die Junker und Kapitalisten entmachten, den Militarismus zerschlagen und ein sozialistisches Deutschland schaffen?

Dagegen stellten sich nach dem Kaiser die neue Regierung der SPD. Sie gab den Auftrag ihre linken Kritiker auszuschalten, der damalige SPD-Minister Noske gab an: „Einer muss der Bluthund sein“. Was ist damals passiert, wie sah der Kampf um die Räterepublik in Bayern aus und welche Rolle spiele Eugen LEVINÉ? Im Januar 1919 werden in Berlin die KPD-Köpfe Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechtsradikalen Freikorps umgebracht, im Februar wird Kurt Eisner, der USPD-Mann und Ausrufer des „Freistaats Bayern“, in München erschossen. Daraufhin kommt es zu Tumulten, der bayerische Kongress der Arbeiter-, Soldaten und Bauernräte tagt zwei Wochen, kann sich jedoch nicht einigen wie es nun weitergehen soll und löst sich selber auf.

Die Gunst der Stunde nutzt die schon längt delegitimierte bayerische SPD-Regierung Hoffmann, um eine Republik ohne soziale und revolutionäre Umstürze zu festigen. Doch zwei Wochen später findet LEVINÉ von der KPD im Münchner Zentralrat die richtigen Worte, um die Ablehnung dieses Projekts zu begründen und geißelt sie als „Scheinräterepublik“. Zeitgleich erklärt die KPD aber auch ihren festen Willen, auch diese Scheinräterepublik gegen die Reaktion zu verteidigen, wenn diese das revolutionäre Proletariat niederschlagen wolle. Die Kommunisten versammelt daraufhin die revolutionären Obleute in Betrieben und Kasernen hinter sich und noch am 7. April rufen der Zentralrat und der revolutionäre Arbeiterrat die Baierische Räterepublik aus.

Die USPD tritt aus der Regierung aus und schlägt sich auf die Seite der Revolution, die SPD-Regierung Hoffmann flieht daraufhin nach Bamberg. Der Kampf gegen die Revolution eskaliert zum blutigen Bürgerkrieg. schon drei Tage später, am 10. Mai, zieht der Kriegsminister der geflohenen Regierung in Bamberg, der SPD-Minister Schneppenhorst zusammen mit den Nazis vom Freikorps Epps in Ingolstadt ein. Denn weiterhin gilt für die SPD: Einer muss der Bluthund sein. Und so kommt es am 13. April zum Putschversuch am Palmsonntag, welcher von der Bamberger Regierung begrüßt wird. Da verhaftet die Republikanische Schutzwehr einige Minister, besetzt öffentliche Gebäude und überfiel Sektionsversammlungen der KPD. Die Kommunisten rufen zu den Waffen. Da laufen die Militärs und Rechtsradikalen am Münchner Hauptbahnhof rum, prangern die Revolution als „jüdisch-kommunistisch-russisch-landfremd“ an und versuchen mit Gewalt gegen die Revolution vorzugehen. Doch die Rotgardisten unter dem Kommando Egelhofer sind stärker.
Sie setzen darauf den Zentralrat ab und übertragen die Regierung einem „Vollzugsrat“ unter Eugen LEVINÉ und Max Levien. Gustav Landauer und Ernst Toller erkennen den Vollzugsrat an. In diesem neuen Rat sitzen 15 Vertreter von ehrlichen Sozialdemokraten, Unabhängigen und Kommunisten; letztere können mit ihren revolutionären Erfahrungen dominieren und schätzen weiterhin ein, dass eine Niederlage wahrscheinlich ist, sofern nicht die richtigen Schritte unternommen werden. Auch der Kopf an der Spitze neuen Sowjetunion, W.I. Lenin, meldet sich mit einem Telegramm voller revolutionärer Ratschläge. Am Tag darauf beginnen Egelhofer und Toller mit dem Aufbau einer Roten Armee, der Generalstreik startet.

Über diese Zeit und über das Münchner Proletariat sagt LEVINÉ später: „Sie verstand wohl, daß das ganze Proletariat als Gesamtheit auftreten müsse, um zu siegen; ihnen schien jedoch, daß diese Gesamtheit verschiedene Programme haben konnte, und daß es vollkommen genügt, wenn die Mehrheitssozialisten, die Unabhängigen und Kommunisten einen äußerlichen Pakt schließen. An der falsch verstandenen Parole der Einigkeit ist die Münchner Räterepublik gescheitert. Wenn das Proletariat einig ist in seinem Ziel und seinem Wollen, dann ist es unbesiegbar, nicht aber, wenn diese Einigkeit durch ganz formale äußere Verknüpfungen organisatorischer Art hergestellt ist.“

Die Ereignisse in den kommenden Tagen überschlagen sich, teilweise werden die Betriebe sozialisiert, teilweise können militärische Erfolge gegen die konterrevolutionären Truppen erkämpft werden. Doch die Linie innerhalb der revolutionären Führung wackelt, die Revolution ist in Gefahr. LEVINÉ: „Auch die wirtschaftliche Umwälzung kann sich nur als ein von der proletarischen Massenaktion getragener Prozeß vollziehen. Die nackten Dekrete oberster Revolutionsbehörden über die Sozialisierung sind allein ein leeres Wort. Nur die Arbeiterschaft kann das Wort durch eigene Tat zum Fleische machen. In zähem Ringen mit dem Kapital, Brust an Brust in jedem Betriebe, durch unmittelbaren Druck der Massen, durch Streiks, durch Schaffung ihrer ständigen Vertretungsorgane können die Arbeiter die Kontrolle über die Produktion und schließlich die tatsächliche Leitung an sich bringen. Die Proletariarmassen müssen lernen, aus toten Maschinen, die der Kapitalist in den Produktionsprozess stellt, zu denkenden, freien, selbstständigen Lenkern dieses Prozesses zu werden. Die müssen das Verantwortlichkeitsgefühl wirkender Glieder der Allgemeinheit erwerben, die Alleinbesitzerin alles gesellschaftlichen Reichtums ist.“

Soweit aber kommt es nicht mehr, die Führung der Räterevolution ist brüchig. Am 26. April schließlich spricht sich der bedeutende Anarchist Ernst Toller öffentlich gegen die Kommunisten und für eine Kapitulation vor der SPD aus. Am 1. Mai rollen die Panzer der SPD-Hoffmann-Regierung in München ein, um die Revolution und ihre Republik niederzuschlagen. Es kommt zu Kämpfen, zehn Rechte werden im Luitpold-Gymnasium erschossen, über 2.200 Revolutionäre werden von Standgerichten zum Tode und zu langjähriger Haft verurteilt. In den Geschichtsbüchern im reaktionären Bayern spricht man noch heute oft vom „roten Terror“, dabei waren die Panzer der SPD-Regierung und die von ihnen bezahlten rechten Söldner vieles, nur nicht rot.

Im Juni dann wird LEVINÉ der Prozess gemacht. Er erklärt sein Handeln und den Verlauf der revolutionären Umstürze in einer mutigen Rede, aus der wir oben zitiert haben. Abschließend erklärt er: „Wir Kommunisten sind alle Tote auf Urlaub, dessen bin ich mir bewußt. Ich weiß nicht, ob Sie mir meinen Urlaubsschein noch verlängern werden, oder ob ich einrücken muss zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.“ – Das Gericht urteilt und lässt LEVINÉ am 5. Juni 1919 in Stadelheim erschießen.