Gestern fand die Landtagswahl in Hessen statt. Eines der wichtigsten Themen im W…

Gestern fand die Landtagswahl in Hessen statt. Eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf war die Bildung. So haben vor knapp einem Monat in Kassel und Frankfurt über 2 000 Menschen gegen die aktuelle Bildungspolitik hessischen Regierung demonstriert, das Bündnis „Bildung braucht bessere Bedingungen“ in Hessen fordert ein Sofortprogramm von 500 Millionen Euro, um „die nötigsten Löcher erst mal zu stopfen“, so Tony Schwarz, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW in Hessen.

Dieser „Notstopfen“ ist aber etwas, was nicht nur Hessen, sondern die ganze Republik gebrauchen könnte: Die GEW spricht davon, dass man auf einen Bildungsnotstand zusteuert. So fehlen nach Prognosen bis 2030 alleine an Berufsschulen rund 60 000 LehrerInnen!

Die Folge: Unterrichtsausfall und Quereinsteiger als Lehrer, die keinerlei Grundausbildung genießen konnte.
Das das auch für Schülerinnen schlecht ist, ist offensichtlich: da trotz der Ausfallstunden der Lehrplan der gleiche bleibt, läuft es oftmals darauf hinaus, das bestimmte Themen entweder gar nicht behandelt werden, oder aber in Form von Hausaufgaben ausgelagert werden auf die eigentliche Frei- und Erholungszeit der Schülerinnen. Dies führt -insbesondere dann, wenn Hausaufgaben noch als Bewertungsmittel genutzt werden- zu einer großen Belastung für die SchülerInnen.

Als Reaktion darauf hat die GEW ein 10-Punkte-Programm gegen den Lehrkräftemangel entworfen. Dieser soll „kurz-, mittel- und langfristige Lösungsansätze aufzeigen“, um dem Zusammenbruch des deutschen Bildungssystems zu entgegenzuwirken.
Er sieht eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte vor, konkret also eine Verkürzung der Arbeitszeit, Verminderung der Klassengrößen, etc. Damit soll der Beruf attraktiver gemacht werden. Zudem sollen an Schulen zusätzliche Berufszweige eingestellt werden, wie beispielsweise SozialpädagogInnen oder TherapeutInnen, welche dann zusammen, in sogenannten multiprofessionellen Teams, arbeiten sollen.
Außerdem soll die jeweilige Landesregierung Sorge dafür tragen, mehr Studienplätze für das Lehramtsstudium bereitzustellen und den „Numerus clausus“ abzuschaffen.
Um dem Lehrkräftemangel auf kurze Sicht effektiv entgegenzuwirken, fordert die GEW die Förderung von Quereinsteigenden: So soll der Arbeit eine dreimonatige Einführungsphase vorangehen, nach deren Abschluss die Quereinsteiger den anderen Lehrkräften gleichgestellt werden. Während der Ausbildungsphase soll den Quereinsteigenden auch ein(e) MentorIn Unterstützung leisten. Dazu sollen unter anderem PensionärInnen und RentnerInnen durch finanzielle Anreize für die Beratung gewonnen werden.
Am schlimmsten vom Lehrkräftemangel betroffen sind die Grundschulen. Deshalb fordert die GEW, dass ab sofort alle Lehrämter gleich bezahlt werden sollen und nicht -wie es derzeit der Fall ist- Grundschullehrer weniger verdienen als Gymnasiallehrer.

Wir unterstützen dieses Sofortprogramm!
Aber was genau so wichtig ist, ist den Herrschenden zu zeigen, dass es uns stinkt, dass Ihnen unsere Bildung am Arsch vorbei geht! Wir wollen, dass die 57 Milliarden Euro, die bis 2024 in den deutschen Rüstungsetat gesteckt werden sollen, lieber für uns bereitgestellt werden und ein Teil davon in die Bekämpfung des Lehrkräftemangels und in die Sanierung unserer maroden Schulen gesteckt wird!

Das gesamte Sofortprogramm gibt es hier zum Nachlesen: https://www.gew.de/…/2018-10-10_10-Punkte-Programm-Lehrkrae…


Bild: „Demonstration gegen den wachsenden Bildungsnotstand in der Bundesrepublik (Aktion 1. Juli)“, Foto von Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte,CC BY-SA 3.0 DE