Die Übernahme ist nicht sicher! – Outing-Aktion der SDAJ München

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Anfang Oktober hat Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der SIEMENS AG, die Umstrukturierungspläne bei Siemens vorgestellt. Im Zuge der Umstrukturierung werden alle Support-Funktionen (also IT, Verwaltung, usw.) zentralisiert und in sogenannten „Kompetenzzentren“ zusammengefasst. Ziel ist es, ca. 11.000 Stellen damit einzusparen und 1 Milliarde Euro mehr Gewinn zu erziehlen. Für die Beschäftigten bedeutet das: Angst um ihren Arbeitsplatz. Vor allem der Standort Perlach ist davon betroffen, arbeiten hier doch vor allem Angestellte im Verwaltungs- und Entwicklungsbereich.
Aber auch für die Azubis sieht es nicht rosig aus. Zwar hat die IG Metall in den vergangenen Tarifrunden die unbefristete Übernahme erreicht, für viele Siemens-Azubis wird sie jedoch nicht Realität werden. Wie ein Siemens-Betriebsrat uns berichtete, stellt Siemens den Betriebsrat vor die einfache Wahl: Entweder er stimmt zu, dass einige Azubis nicht übernommen werden, oder Siemens legt ganzen Abteilungen Auflösungsverträge vor und setzt sie damit auf die Straße.4
Die SDAJ München outete daher schon zum zweiten Mal den Siemens-Betrieb in Perlach und machte auf die Umstrukturierungen aufmerksam. In vielen Interviews wurde klar, dass die meisten Azubis zwar recht zuversichtlich sind, übernommen zu werden, mit Sicherheit konnte uns das aber niemand bestätigen.
„Den Stellenabbau finde ich gar nicht gut! Ich hoffe mich trifft das nicht auch! Bisher glaube ich schon, dass ich übernommen werde.“ erklärte z.B. die 16-jährige Marie*. „Nur wenige haben überhaupt einen Platz bekommen, und jetzt hoffe ich, dass ich nach den 3 Jahren nicht auf der Straße sitze!“ machte Aşkim* (16) ihre Unsicherheit klar.
Etwas zuversichtlicher gab sich Gregor* (15): „Das wird schon, aber sicher bin ich mir da nicht.“
Der 18-jährige Lukas* machte sich weniger Gedanken: „Ich denke ich habe gute Chancen, übernommen zu werden. Wenn nicht, studiere ich danach. Stellenabbau finde ich kacke, denen geht’s doch eh nur um die Kosten.“
Nachdem wir ihnen erklärten, was für konkrete Auswirkungen diese Umstrukturierungen für sie und ihre Übernahme haben, fanden viele unsere Aktion sehr gut und wünschten sich mehr solche Aktionen. Andere berichteten uns, dass es jetzt schon sehr konkrete Pläne für den Standort Perlach gibt: „Die Buchhaltung wird gerade stark abgebaut, ich glaube die soll nach Tschechien ausgelagert werden.“ erklärte der 19jährige Kevin*.
Wie genau die Pläne aussehen, weiß bisher niemand sicher – und diese Unsicherheit ist von Siemens gewollt: Seit Jahren wird ständig und überall umstrukturiert, ganze Betriebe werden verkauft und neue eingekauft. „Das hat System bei Siemens“, erklärte uns ein Betriebsrat. „Durch das ständige Aus- und Einlagern entsteht ständig Unruhe im Betrieb und niemand ist sich sicher, ob er nicht versetzt wird, wenn er sich über etwas beschwert oder nicht spurt.“
Wir als SDAJ werden dieser Praxis versuchen, immer mehr entgegen zu setzen – gemeinsam mit den vielen Azubis, die wir bisher erreicht haben. Ein wichtiger Ort, um dem Unmut Luft zu machen, wird die Kundgebung vor der Siemens-Konzernzentrale am 6. Dezember in München sein.
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