Auf zum CSD: Gemeinsam gleiche Rechte & Akzeptanz erkämpfen!

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Wie auch die Jahre zuvor findet im Juli erneut der Christopher Street Day statt. Doch mittlerweile hat man beinahe den Eindruck der CSD ist zu einer reinen Spaßveranstaltung verkommen. Kommerzialisierung und Entpolitisierung haben mit der Zeit immer mehr zugenommen. Dabei wird oft vergessen, welche Ursprünge dieser Tag überhaupt besitzt. Ist jener Geist von Stonewall Inn, der in den Junitagen des Jahres 1969 die Schwulen, Lesben und Transsexuelle weltweit beflügelte, heute verschwunden? Ist vergessen, dass alle Rechte hart erkämpft werden mussten?
Durch die so genannten „Stonewall Riots“, wurden 1969 Grundlagen geschaffen, die zur organisierten Queer- Bewegung weltweit beitrugen. Die ersten Auseinandersetzungen fanden statt, als Polizisten eine Razzia im „Stonewall Inn“ durchführten, einer Bar mit homosexuellem Zielpublikum in der Christopher Street in New York. Zum ersten Mal widersetzte sich eine große Gruppe von Schwulen, Lesben, Transvestiten und Drag Queens der Verhaftung. Die Besucher des Stonewall Inn ließen sich das Vorgehen der Polizei endlich nicht mehr wie so oft zuvor gefallen und die Polizisten wurden gewaltsam vertrieben. Die Ereignisse führten zu einer breiten Solidarisierung im New Yorker Schwulenviertel, und auch in den Folgetagen wurde den inzwischen verstärkten Polizeitruppen erfolgreich Widerstand geleistet. Erst nach fünf Tagen beruhigte sich die Situation. Zuvor war es üblich, dass die Polizei die Identitäten aller Anwesenden bei derartigen Razzien erfasste und oft genug in der Presse veröffentlichte, mit verheerenden Folgen für die so zwangsweise Geouteten. Neben Homophobie beeinflusste auch Rassismus den Polizeiüberfall auf das Stonewall Inn. Dort verkehrten viele „Schwarze“ und „Latinos“.
In der BRD wehrten sich erstmals 1970 Homosexuelle als Reaktion auf Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Noch im selben Jahr gründeten sich die Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW) und die Rote Zelle Schwul (ROTZSCHWUL) in Frankfurt am Main. 1979 fanden in Bremen und auch in Westberlin die ersten CSDs unter dieser Bezeichnung statt. Größere Lesben- und Schwulendemonstrationen gab es in der BRD schon seit 1972. Von 1984 bis 1990 war die DeLSI (Demokratische Lesben und Schwulen Initiative) die einzige bundesweite Schwulen -und Lesben Organisation der BRD und trat für eine fortschrittliche Politik gegenüber Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen ein. Mitte der 1990er Jahre löste sich die DeLSI, wie viele progressive Organisationen auf. Seitdem lässt sich auch bei den CSDs eine Entwicklung der Entpolitisierung und Kommerzialisierung feststellen. Inzwischen sind diese Demonstrationen vor allem Veranstaltungen mit Volksfestcharakter. Diese Entwicklung hinterlässt ein Vakuum, eine fortschrittliche Queer-Bewegung existiert nicht mehr, und womit 1969 alles begann, ist vielerorts kein Thema mehr.
Gleichzeitig werden in vielen Ländern der Welt und teilweise auch in unseren europäischen Nachbarstaaten SLBT nicht nur politisch verfolgt, sondern häufig auch zu Opfern von Übergriffen. Die Politik Russlands ist in dieser Hinsicht zu verurteilen. Doch auch stellen wir uns gegen die Kriegshetze, die besonders von den deutschen Medien betrieben wird. Diese nutzen Russlands Politik der Unterdrückung von SLBT für Ziele, die nicht unsere sind. In einem Krieg können keine Rechte erkämpft werden! Bei aller Verurteilung der brutalen Politik Russlands gegenüber der Queerbewegung, wehren wir uns gegen die Instrumentalisierung des Kampfes um gleiche Rechte der SLBT und lehnen die Kriegspropaganda gegen Russland in ihrer Gänze ab! Auch in Deutschland sind Schwule und Lesben heterosexuellen Paaren immer noch nicht gleichgestellt und werden am z.B. Arbeitsplatz diskriminiert, wenn sie sich outen. Doch international finden sich nicht nur negative Beispiele: eine positive Gegenentwicklung zeigt sich in Kuba, einem der ersten lateinamerikanischen Länder, das Homosexuelle mit Heteros rechtlich gleichgesetzt hat. Da Homophobie in der Bevölkerung immer noch verbreitet ist, gibt es staatliche Kampagnen dagegen, die Aufklärungsarbeit leisten (CENESEX).
Auch in Deutschland ist Homophobie ein alltägliches Phänomen und der CSD wäre eine gute Gelegenheit, um in Tradition der Proteste von Stonewall daran zu erinnern: Das We­sentliche an Stonewall war der Widerstand gegen die Staatsgewalt, das legitime Anliegen der Veränderbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse. Und genau das ist heute aktueller denn je. Der Kapitalismus in dem wir leben lässt unsere Beziehungen nicht unberührt. In unsere Gesellschaft ist sich jeder selbst der nächste; wer erfolgreich sein will sieht in seinem Gegenüber zuerst einmal einen Konkurrenten. In einer solchen Ellbogengesellschaft ist es folglich schwer gegen Diskriminierung anzugehen. Sexuelle Orientierung, Hautfarbe und soziale Stellung werden schnell zu Merkmalen, die genutzt werden einen Menschen gegen einen anderen Auszuspielen. Zudem erfüllen Rassismus, Sexismus und Homophobie die Funktion von Ablenkung und Schuldzuweisung. Um von Problemen wie Krieg, Krise oder Arbeitslosigkeit und deren eigentlichen Ursachen abzulenken, wird ein Sündenbock gesucht um die Menschen jeweils gegeneinander aufzubringen. Dies dient den Herrschenden zur Spaltung der Bevölkerung und zur Sicherung ihrer Macht. Ein solidarisches Miteinander muss von uns erkämpft werden. Deswegen sind wir sind der Meinung, dass es gestern wie heute eine fortschrittliche und kritische Queerbewegung braucht um zusammen „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen sei“ (Karl Marx).
Also müssen Gleichberechtigung, Mitbestimmung und solidarisches Miteinander gemeinsam erkämpft werden. Die SDAJ München setzt sich für eine gerechte Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ein. Wenn Du dich auch wehren willst, mach mit in der SDAJ!
Unsere Positionen und Forderungen:
Lesben, Schwule, Bi-, Transsexuelle und Menschen mit Lebens- und Liebesweisen jenseits der bürgerlichen Norm werden in unserer Gesellschaft immer noch diskriminiert. Wir lassen uns von den Prinzipien des sozialistischen Humanismus leiten. Allerdings heißt eine selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens auch selbstbestimmte Sexualität, denn zur allseitigen Entwicklung der Persönlichkeit gehört auch die freie Entfaltung des Menschen.
Wir lehnen die bürgerliche Moral ab. Rückschrittliche Wertevorstellungen sind auch heute noch vorherrschend. Dies hat seinen Grund, so erfüllt beispielsweise das Ideal der bürgerlichen Familie für den Staat, als ideellen Gesamtkapitalisten, eine nützliche Funktion. Gesellschaftliche Aufgaben, wie die Betreuungs- und Versorgungsfunktion von Kindern oder die finanzielle Absicherung eines jeden werden durch die Familie aufgefangen.
Keine Beziehungsform darf bevor- oder benachteiligt werden, stattdessen müssen vielfältige Formen des Zusammenlebens möglich sein. Dafür bedarf es zunächst einer sowohl juristischen wie auch ökonomischen Gleichstellung aller Lebens- und Liebesformen. Hierzu gehört auch das Recht auf kostenlose Verhütungsmittel, so dass Gesundheitsvorsorge und Familienplanung nicht vom Geldbeutel abhängen.
→ Die Gleichstellung aller Menschen muss im Grundgesetz Art. 3 verankert werden!
→ Alle freiwilligen Beziehungen zwischen Menschen sind gleichberechtigt zu behandeln!
→ Wir brauchen eine wissenschaftliche und humanistische Sexualerziehung!