12. November 1918 Frauen erhalten das Wahlrecht in Deutschland. Dieses Recht m…

12. November 1918
Frauen erhalten das Wahlrecht in Deutschland.
Dieses Recht mussten sich die Frauen, wie so ziemlich jedes andere Recht auch, mühsam erkämpfen. Es war ein Kampf, der bereits in der französischen Revolution seinen Anfang nahm und in vielen Ländern mit den unterschiedlichsten Mitteln geführt wurde. In Deutschland wurden die Stimmen um die Jahrhundertwende immer lauter, die ein Wahlrecht für Frauen einforderten. Dabei gab es verschiedene Gruppen, deren Vorstellungen von einem Frauenwahlrecht zum Teil weit auseinander gingen. Bürgerliche Frauen forderten häufig ein eingeschränktes Wahlrecht, wie es auch Männer zu diesem Zeitpunkt noch hatten. Dabei war das Stimmgewicht abhängig von der Steuerklasse des Wählenden.
Die Sozialistin und späteres KPD-Mitglied Clara Zetkin forderte auf dem von ihr initiierten Internationalen Frauentag 1907 bereits ein volles Wahlrecht für Frauen. Schließlich kam der Rat der Volksbeauftragten (ein Ergebnis der Novemberrevolution) dieser Forderung nach und führte zugleich die allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl ein.
„Ich möchte hier feststellen …, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."
So lautete die vielzitierte Aussage der Abgeordneten Marie Juchacz auf der Weimarer Volksversammlung 1919. Und Recht hat sie.

Schnitt.

2018
Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern bei gleicher Qualifikation, gleicher Arbeit zu Beginn der Anstellung: 16,8% (2017)
Anteil der Frauen im Deutschen Bundestag: 31% (niedrigster Wert seit fast 20 Jahren)
Deutschland liegt damit in einem internationalen Ranking auf Platz 45, was den Anteil von Frauen im Parlament betrifft (ganz vorne liegen Ruanda mit 61,3% und Kuba mit 53,2%).
Frauen erledigen im Schnitt außerdem fast drei mal so viel Hausarbeit wie Männer und pflegen nach wie vor in der großen Mehrheit unentgeltlich oft die eigenen Eltern, die Angehörigen des Partners und die eigenen Kinder.

Was ist passiert? Wie kann das sein?

Recht hatte eben leider auch Clara Zetkin, die stets angeprangert hat, dass das Wahlrecht allein nichts bedeutet, so lange der Kapitalismus bestehen bleibt.
„Wir erwarten unsere volle Emanzipation [nicht] von der Gewährung politischer Rechte. Die Länder, in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das Stimmrecht ohne ökonomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, würde in den Ländern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“ (1889)

Wir schließen uns Clara Zetkin an und fordern: Nieder mit dem Kapitalismus, seinem strukturellen Sexismus und der Ausbeutung von Frauen und Männern auf der ganzen Welt!

Foto: Plakat der Frauenbewegung zum Frauentag 8. März 1914. Es wird das Frauenwahlrecht gefordert. Wikimedia/public domain (US)